
Ausstellung „Wege zur Freiheit“
GESCHICHTE – KUNST – MULTIMEDIA
Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag von 10.00 bis 18.00
Dienstag – Sonntag von 10.00 bis 17.00
Adresse:
Wały Piastowskie-Str. 24
80-855 Gdańsk
Tel.: 058 308 42 80 / 058 308 43 19
Fax: 058 308 42 34
Die Ausstellung „Wege zur Freiheit” erzählt die Geschichte der Jahre 1956-1989. Auf dem Gelände der ehemaligen Lenin-Werft in Danzig entstand im August 1980 die Solidarność – eine gesellschaftliche und politische Bewegung, die in der polnischen Gesellschaft Hoffnungen auf die Erfüllung des Traums von der Unabhängigkeit weckte. Die 18 Streiktage im August 1980, die am 31. August mit der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen den Streikenden und der Staatsgewalt zu Ende gingen, sind als Symbol für den Beginn des Untergangs des Kommunismus in Europa in die Geschichte eingegangen. Mit diesen Ereignissen begann der Prozess der Befreiung vieler Länder vom Kommunismus. Als Ironie des Schicksals erwies sich, dass ausgerechnet die Mitarbeiter jener Werft, die den Namen des Anführers der russischen Kommunisten trug, mit der Demontage des politischen Systems begannen, das den Menschen Freiheit und Wohlstand versprach und in Wirklichkeit Terror, Armut und Unterjochung mit sich brachte. Die Ausstellung „Wege zur Freiheit“ handelt von Menschen, die sich bemühten, die Träume der in der Volksrepublik Polen lebenden Bürger von der Unabhängigkeit Wirklichkeit werden zu lassen. All diesen Menschen ist die Ausstellung gewidmet. Die Beschlüsse der Konferenz von Jalta im Jahre 1945 bedeuteten das Ende der Zweiten Polnischen Republik und die Gestaltung eines neuen Staates wurde in der Folge praktisch Stalin überlassen. Obwohl das Abkommen von Jalta von den westeuropäischen Mächten als verbindlich angesehen wurde, hat Polen es nie akzeptiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte die polnische Gesellschaft wiederholt ihre Freiheitssehnsucht zum Ausdruck.
Die Jahre 1956, 1966, 1968, 1970, 1976, 1979, 1980 und 1988 sind wichtige Daten, die als Meilensteine den Weg Polens zur Freiheit prägten. Ohne diesen Marsch zur Unabhängigkeit kennen gelernt zu haben und nachvollziehen zu können, lässt sich das Phänomen Solidarność 1980 nicht verstehen.
Konzeption der Ausstellung
SAAL 1 – ALLTAGSLEBEN IN DER VR POLEN
Lebensmittelgeschäft – Nachbau eines primitiven und miserabel ausgestatteten Ladens aus den 70er Jahren. Den Besuchern wird gezeigt, wie grau und schlicht die Wirklichkeit in den Zeiten der VR Polen war. Die Älteren erinnern sich noch gut an die Mangelwirtschaft und die leeren Regale in den Läden. Essig war eines der wenigen Produkte, die in den Lebensmittelgeschäften immer erhältlich waren. Dieser symbolische Laden bietet die Gelegenheit, sich daran zu erinnern, wie die triste Alltagswirklichkeit in der heute von so vielen Polen idealisierten Ära des Sozialismus tatsächlich aussah.
SAAL 2 – HISTORISCHER HINTERGRUND
Die Zeiten der Volksrepublik Polen waren aber auch durch politische Repressionen geprägt. Das Gefängnis wurde in den 50er Jahren zum Symbol des kommunistischen Staates. Die Rekonstruktion einer Gefängniszelle erinnert an politische Gefangene aus der Zeit der VR Polen. Die Zelle gilt gleichzeitig als Inbegriff einer Ära, in der es an ein Wunder grenzte, wenn jemand die Möglichkeit erhielt, jenseits der Grenzen des sowjetischen Blocks zu reisen, und der Durchschnittsbürger ständig eingetrichtert bekam, dass nur das sozialistische System das Woglergehen der Bürger garantieren könne. An den jeweiligen Computerkonsolen sind weitere Stufen des Kampfes um die Freiheit und die Bürgerrechte vor August 1980 unter verschiedenen thematischen Gesichtspunkten zusammengestellt. Der Themenbereich „Polnische Monate“ dokumentiert andere wichtige Daten, an denen Demonstrationen gegen das kommunistische Regime stattfanden: 1956, 1968, 1970, 1976, 1980, 1981, 1988 und 1989. Der Bereich „Demokratische Opposition“ stellt Oppositionsgruppen vor, die um ein freies Polen kämpften. Unter dem Titel „Die Kirche“ wird in geschichtlichen Segmenten der Kampf der katholischen Kirche um die Freiheit des Gewissens geschildert und deren bedeutende Rolle im Marsch des polnischen Volkes zur Unabhängigkeit gezeigt. In den Bereichen „Exil“ und „Unabhängige Kultur“ werden der im Exil geführte Unabhängigkeitskampf sowie das polnische Phänomen der freien Verlags- und Exiltätigkeit von Polen präsentiert. Die Abteilungen „Totalitärer Staat” und „Alltägliches Leben in der VR Polen“ versetzen die Besucher zurück in den Alltag der Volksrepublik Polen.
SAAL 3 – AUGUST 14.08.1980 – 31.08.1980
Den Saal betreten wir durch das mit Blumen geschmückte historische Tor der Danziger Werft. Dabei stoßen wir auf die Büste von Lenin, dessen Namen die Werft damals trug. Der Film und die Dias dokumentieren den 18tägigen Streik, der in der ganzen Welt Aufsehen erregte und zum Symbol für den Beginn des Untergangs des Kommunismus in Europa wurde. Im Saal hört man Fragmente der Originalaufnahmen von den Verhandlungen sowie Streiklieder. Man bekommt die Realität der Streiks zu sehen, unter anderem einen symbolischen Styroporblock, den man mit den Ruhepausen während des Streiks assoziiert, Gottesdienste in der Werft sowie die Tage des Wartens auf die Gespräche mit der Staatsgewalt. Beim Ansehen dieser Bilder und Dias kann man die Stimmung jener Tage förmlich spüren. Die Holztafeln, auf denen 21 Forderungen der Streikenden per Hand niedergeschrieben sind, wurden am 16. Oktober 2003 in die Liste des UNESCO-Weltdokumentenerbes unter dem Titel "Gedächtnis der Welt“ aufgenommen. Im Saal „August 1980“ können die Besucher die Geschichte des graphischen Zeichens „Solidarność“ nachvollziehen, das vom Danziger Graphiker Jerzy Janiszewski entworfen wurde und heutzutage als weltweit erkennbares Logo dieser Bewegung gilt. Der Ort der Verhandlungen zwischen den Vertretern der Betriebe an der Ostseeküste mit den Vertretern der damaligen Regierung wurde ebenfalls nachgebaut (Saal für Arbeitssicherheitsschulungen). Auf einem großformatigen Bild sind Delegierte des Streikkomitees und Vertreter der Staatsgewalt der VR Polen zu sehen, die das erste Abkommen der Nachkriegsgeschichte Polens zwischen Vertretern der Gesellschaft und dem kommunistischen Regime abgeschlossen haben. Auf dem Bild wurden der Zeitpunkt der Unterzeichnung des Danziger Abkommens vom 31.08.1980 sowie die Personen, die während der Verhandlungen am Verhandlungstisch saßen, festgehalten. Es befindet sich hier ebenfalls der Tisch, an dem ununterbrochen Nachrichten für die Menschen verfasst wurden, die sich scharenweise vor der Werft versammelt hatten und auf konkrete Informationen über die laufenden Gespräche warteten.
SAAL 4 – SOLIDARNOŚĆ UND HOFFNUNG 01.09.1980-12.12.1981
16 Monate dauerte die staatlich anerkannte Tätigkeit der Solidarność“. Die Generation, die damals die Freiheit atmen konnte, verbindet unverwechselbare Gefühle mit dieser Zeit – eine Zeit des Frühlings und der Freude, wie im Karneval. Zehn Millionen Polen traten 1980 der neuen Gewerkschaft bei und das kulturelle und soziale Leben im Lande blühte auf. Einerseits dokumentieren die gezeigten Dias eine 16monatige Periode großer Hoffnung der Polen auf Erlangung der vollen Unabhängigkeit, andererseits sind aber auch Provokationen des Sicherheitsdienstes, der eine Destabilisierung und den Bruch der Vereinbarungen vom August 1980 anstrebte, zu sehen. Es ist eine Zeit, in der die Werftarbeiter das Denkmal für die Opfer der Ereignisse vom Dezember 1970, in Reiseführern auch „Denkmal für die Gefallenen Werftarbeiter” genannt, im Rekordtempo errichtet haben und in der Lech Wałęsa das Land bereiste, um überall als "ungekrönter polnischer König" begrüßt zu werden. Auf dem Festival der Wahren Lieder lernten die Polen über die Staatsgewalt zu lachen. Es war der erste öffentliche, offizielle und unzensierte Auftritt einer großen Anzahl polnischer Bühnenkünstler. Während die Militärmanöver des Warschauer Paktes einen sowjetischen Überfall anzukündigen schienen, richtete die Erste Tagung der Delegierten der Unabhängigen Selbstverwalteten Gewerkschaft Solidarność im September 1981 (auf Dias zu sehen) eine Botschaft an die Gesellschaften der anderen Staaten im sowjetischen Block.
SAAL 5 – KRIEGSZUSTAND 13.12.1981-22.07.1983
Am 13. Dezember 1981 hat das kommunistische Regime seinem eigenen Volk den Krieg erklärt. Um den boshaften Charakter der kommunistischen Propaganda dieser Zeit zu verstehen, kann man die Fernsehansprache von General W. Jaruzelski oder Ausschnitte aus Pressekonferenzen des damaligen Regierungssprechers J. Urban hören. Auf den Dias sind die Straßenkämpfe des polnischen Volkes gegen die ihm aufgezwungene Staatsgewalt zu sehen. In Schaukästen sind die mit primitiver Technik hergestellten Aufkleber und Anstecknadeln zu sehen, mit denen die Botschaft „Solidarność lebt“ verbreitet wurde. Zu hören gibt es auch Fragmente aus den Predigten des Solidarność-Kaplans Jerzy Popiełuszko, der 1984 durch den Sicherheitsdienst ermordet wurde. In einem Sonderraum dieses Saals wurde eine Untergrunddruckerei detailgetreu nachgebaut. Die Periode des Kriegszustandes wird abgeschlossen durch einen 6 Minuten langen, ergreifenden Film. Als Ergänzung zum Film werden Mittel der Miliz und der ZOMO (Motorisierte Reserven der Bürgermiliz) ausgestellt, die beim Zerstreuen von Straßendemonstrationen zum Einsatz kamen.
SAAL 6 – FILMRETROSPEKTIVE
Die Filmretrospektive ist eine sieben Minuten lange Vorführung von Archivfilmaufnahmen, die an die Ausbrüche sozialer Unruhen in verschiedenen historischen Perioden von 1956 bis 1989 anknüpfen. Der Film endet mit den Wahlen von Juni 1989 und mit der Entstehung der ersten nichtkommunistischen Regierung mit Tadeusz Mazowiecki an der Spitze. In diesem Saal kann man sich auch den polnischen Geschichtskalender von 1944 bis 1989 ansehen.
SAAL 7 – ZEIT DES WANDELS
So wurde der letzte Saal benannt, in dem die Zeit des Wandels in den Ländern Mittel- und Osteuropas, die im Juni 1989 in Polen begann, in Form einer Filmvorführung präsentiert wird. Als die Sowjetunion im Jahre 1985 unter dem Motto Glasnost die Transparenz des politischen Lebens ankündigte, wurde den polnischen Kommunisten klar, dass sie den Boden unter den Füßen verlieren. Sie versuchten in ihrer Notlage ihre Macht zu erhalten, indem sie die Gespräche am sog. Runden Tisch (Februar - April 1989) initiierten, in denen sie sich mit den Vertretern der immer stärker werdenden Opposition auf einen politischen Kompromiss einigten. Am 4. Juni 1989 fanden die ersten freien Wahlen zum Senat und die Wahlen zum sog. Vertrags-Sejm statt. Mit diesem Ereignis begann der sog. Echoeffekt, d.h. die Länder Mittel- und Osteuropas riefen eins nach dem anderen ihre Unabhängigkeit aus.
In diesem Saal werden zusätzlich Sonderausstellungen präsentiert, die indirekt mit der gesamten Präsentation „Wege zur Freiheit“ verbunden sind.
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