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Die Autoritäten. Lech Bądkowski. Eine Photoausstellung. Der Senat der Republik Polen

18.02.2009
fotka

Der Ministerpräsident Donald Tusk und der Marschall des Senats Bogdan Borusewicz eröffneten (18.02) im Senat der RP eine Photoausstellung zum Andenken an Lech Bądkowski, einen Unterzeichner der August-Vereinbarungen, einen kaschubischen politischen Aktivisten, einen Wegbereiter der Idee der kommunalen Selbstverwaltung, den Sprecher des Zwischenbetrieblichen Streikkomitees in Danzig im August 1980. Die Ausstellung wurde zum 25. Jahrestag des Todes von Bądkowski veranstaltet. Am 6. März, nach der offiziellen Schließung der Ausstellung im Senat, begab sie sich auf eine Rundreise durch Polen. Sie besucht z.Z. Schulen und Universitäten.

Eine Ergänzung der Ausstellung ist ein Sonderkatalog. Das Vorwort verfasste – auf die Bitte des Europäischen Solidarność-Zentrums – der Ministerpräsident Donald Tusk:

Hätten wir vor, Lech Bądkowski lediglich als einen Politiker bzw. einen Schriftsteller zu behandeln, dann würden wir die Dimension dieser Gestalt ungewollt herabmindern. Es gibt viele, mehr oder weniger talentierte Schriftsteller – es gibt gar zu viele Politiker, darunter nur wenige, die als herausragend einzustufen sind. Bądkowski war aber allein stehend. Er war ein Phänomen, etwas Besonderes, einer aus der Gattung jener, über welche man sagt, dass sie von Gott berührt worden sind. Sie sind nur wenige, in meinem Leben begegnete ich ihm als einzigem Menschen dieser Art. Ich sehe ihn weder auf der linken noch auf der rechten Seite der politischen Bühne. Er war ein kaschubischer Aktivist. Die „kleine Heimat“ war seine große Liebe, gleichzeitig aber schritt er in vielen seiner Reflexionen mutig über die Grenzen Europas hinaus und wandte den Blick nach Amerika und nach China. In seinem Schaffen deckte er die Geheimnisse der mittelalterlichen pommerschen Geschichte auf und gleichzeitig wartete er mit Ungeduld auf das Erscheinen seines modernen politischen Romans („Huśtawka“, [Die Schaukel]), dessen Druck durch die Zensur fast um ein Vierteljahrhundert verzögert wurde. Ein Legalist von echtem Schrot und Korn schätzte er die Traditionen der organischen Arbeit in Pommern an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Gleichzeitig veröffentlichte er publizistische Texte im sog. zweiten Umlauf („Bratniak“, „Zapis“). Ich begegnete Bądkowski nach dem August 1980. Es war eine Zeit intensiv erlebter politischer Erfahrungen. Er lud mich zur Zusammenarbeit in der Redaktion der „Samorządność“ ein. Auch wenn die großen Ereignisse sich in der Danziger Werft oder in der Halle „Olivia“ während des Kongresses der „Solidarność“ abspielten, war für mich und meine Freunde (wir waren damals einige zwanzig Jahre alt) das tägliche Treiben in seinem Arbeitsraum am Fischmarkt von größtem Belang. Der Umstand, dass ein (zumal aus unserer Perspektive) älterer Mensch uns zu „verzaubern“ vermochte, barg in sich etwas wirklich Ungewöhnliches. Mit Aufmerksamkeit hörten wir auf seine Worte bei den Sitzungen des Klubs des Politischen Gedankens, der den Namen der Verfassung vom 3. Mai trug, während der redaktionellen Gespräche und bei geselligen Treffen. Diese Worte waren eine Ermunterung zum selbständigen Denken, sie unterstrichen die Bedeutung eines unabhängigen, souveränen Urteils über die Welt – ohne Täuschungen und ohne ideologische Illusionen. Während eines der ersten Treffen wandte er sich an mich mit der kurzen Feststellung: „Du bist ein Kaschube“. Ich komme darauf immer wieder zurück, denn darin steckt etwas Besonderes. Über zwanzig Jahre verlebte ich in Danzig in einer polnisch-kaschubischen Familie, aber erst dieser einfache Satz machte mir bewusst, was meine Wurzeln sind. Mehr noch: im Bruch einer Sekunde sah ich ein, es sei kein Grund zur Scham, sondern es gereicht zum Stolz, dass man ein Kaschube ist. Damals war diese Einsicht nicht ganz selbstverständlich. Faszinierend war seine Kenntnis der Menschen. Er hatte einen besonderen Sinn für Humor, der manchmal gar brutal anmutete, sowohl in Bezug auf sich selbst als auch auf andere. Auch wenn es komisch klingen mag, will ich betonen, dass seine „brutalen“ Bemerkungen immer eine große Wahrheit über den Menschen enthielten. Er war aufrichtig, duldete keine Geschwätzigkeit und keine Aufschneiderei. Selbst bildete er übrigens einen Gegenpol dieser Eigenschaften, die so häufig bei den Politikern und Schriftstellern anzutreffen sind. Als junger Mann kämpfte er im Verteidigungskrieg des Jahres 1939, dann war er im Untergrund tätig. Seine Tapferkeit wurde mit dem Orden Virtuti Militari ausgezeichnet. Sein Mut und sein Pflichtbewusstsein traten häufig in Erscheinung, ich möchte an dieser Stelle nur die ersten Tage des Kriegszustandes zurückrufen. Auf dem Vervielfältigungsgerät druckten wir mehrere Hundert Exemplare der vierten Nummer der „Samorządność“, mit Informationen über die Streikaktion und mit den Appells zur Beteiligung an großen Protestkundgebungen. Berücksichtigt man die Begleitumstände, so machten wir damals etwas Außerordentliches. Die Welt stürzte zusammen und wir leisteten eine Arbeit, die einem irrational vorkommen konnte. Ich vergesse nie den Blick von Bądkowski. Hinter den Fenstern brach die frühe winterliche Dämmerung ein. Unser Chefredakteur schwieg. Möglicherweise erwog er das Für und Wider, er war sich aber zweifelsfrei bewusst, dass wir unsere einfachste Grundpflicht erfüllen – wenn wir bereits drei Nummern der Wochenschrift herausbrachten, sollte man dies auch mit der vierten Nummer tun. Er starb am 24. Februar 1984. Einige Tage später verabschiedeten wir ihn auf dem Friedhof auf Srebrzysko. Die Erinnerung an Lech Bądkowski wird immer durch eine gewisse Trauer begleitet. Sie resultiert aus der tiefen Überzeugung, dass wir in unserem Leben einem solchen Menschen nie wieder begegnen werden.
Donald Tusk
Ministerpräsident der Regierung der Republik Polen

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